Der Moder­ne Alt­bau

Im Gespräch mit einem der bedeu­tends­ten deut­schen Archi­tek­ten der Gegen­wart.

J. MAYER  H. und  Part­ner

Jür­gen May­er H. stu­dier­te Archi­tek­tur an der Uni­ver­si­tät Stutt­gart, The Coo­per Uni­on New York und an der Prince­ton Uni­ver­si­ty. Sei­ne Arbei­ten wur­den mit zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Prei­sen aus­ge­zeich­net, zuletzt mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis Emer­ging Archi­tect 2003, dem Win­ner Hol­cim Award Bron­ze 2005 für nach­hal­ti­ge Archi­tek­tur und dem 1. Preis des Audi Urban Future Award 2010. Er ist eben­falls mit Pro­jek­ten in Samm­lun­gen wie dem MoMA NY und dem SF MoMA sowie zahl­rei­chen Pri­vat­samm­lun­gen ver­tre­ten. Seit 1996 unter­rich­tet er an ver­schie­de­nen Uni­ver­si­tä­ten rund um den Glo­bus, u.a. an der Har­vard Uni­ver­si­ty und Colum­bia Uni­ver­si­ty. Im sel­ben Jahr grün­de­te er sein Archi­tek­tur­bü­ro J. MAYER H. Im Janu­ar 2014 sind And­re San­ter und Hans Schnei­der als wei­te­re Part­ner bei­getre­ten.

Was war das Span­nends­te an die­sem Pro­jekt oder was war Ihre größ­te Her­aus­for­de­rung bei die­sem Gebäu­de?

Der Dia­log von Bestand und Neu­bau, von Ein­bin­dung in den Kon­text und der indi­vi­du­el­len Schaf­fung von inno­va­ti­ven Raum­lö­sun­gen stand im Vor­der­grund.

Wie unter­schei­det sich die dama­li­ge Art zu woh­nen von der heu­ti­gen? Und was bedeu­tet das für Ihre Arbeit als Archi­tekt?

Die Woh­nun­gen im Bestands­bau wer­den unter Berück­sich­ti­gung der his­to­ri­schen grün­der­zeit­li­chen Grund­ris­se ent­wi­ckelt.
Im neu­en Dach­ge­schoss wer­den offe­ne Sicht­be­zü­ge, groß­zü­gi­ge Aus­bli­cke, flie­ßen­de Räu­me und Gale­rien mit Dach­ter­ras­sen
eine Wohn­welt schaf­fen, die einen star­ken Außen­be­zug haben wird.

Wel­che Her­an­ge­hens­wei­se hat­ten Sie bei Ihrer Arbeit an die­sem Pro­jekt?

Anhand von Arbeits­mo­del­len haben wir uns der beson­de­ren Aus­for­mu­lie­rung der Dach­land­schaft genä­hert.

Wie kann bei einem über hun­dert Jah­re alten Gebäu­de das The­ma Nach­hal­tig­keit plat­ziert wer­den?

Es ist die Kom­bi­na­ti­on vie­ler Kom­po­nen­ten. Der Erhalt und die Instand­set­zung der his­to­ri­schen Bau­sub­stanz, die Begrü­nung von Dach­flä­chen und Außen­ter­ras­sen, die Moder­ni­sie­rung des Haus­tech­nik sowie die zusätz­li­che Schaf­fung von Wohn­flä­chen anstel­le des bis­her leer­ste­hen­den Dach­stuhls sind die Kern­the­men.

Was hat Sie zu dem Dach­ge­schoss inspi­riert?

Die Ein­bin­dung des Daches in die Umge­bung stand im Vor­der­grund. Die Mate­ri­al- und Farb­wahl nimmt die­sen Bezug auf. Der be-
ste­hen­de Gie­bel wur­de frei­ge­stellt, um den Dia­log von Alt und Neu deut­li­cher sicht­bar zu machen. Zusätz­lich wur­de durch die Höhen­mo­du­lie­rung der obe­ren Dach­kan­ten die Mög­lich­keit geschaf­fen, blick- und wind­ge­schütz­te Außen­ter­ras­sen aus­zu­bil­den. Ent­lang der schrä­gen Dach­flä­chen zur Stra­ßen­sei­te läuft ein durch­ge­hen­des Fens­ter­band, das sich rhyth­misch aus­wei­tet oder ver­engt, abhän­gig von den dahin­ter­lie­gen­den Räu­men.